Prolog

Unsere Gehirne sind Zeitmaschinen. Es genügt an die Vergangenheit zu denken und schon tauchen wir in sie ein. Doch die Erinnerung besteht aus Splittern; irgendwie fügen sich die Bilder, Gerüche, Gefühle von damals zu einem Ganzen.

Wir glauben, dass wir unser Leben in der Hand haben. Aber in Wirklichkeit können wir nur Gelegenheiten ergreifen. Offenbar sind Interneuronen nötig  dafür, dass aus vielen gespeicherten Einzelinformationen ein Gesamtbild entsteht.

(Hannah Monyer, Heidelberger Neurobiologin; Zeit Magazin Nr.12 vom 12.03.2009, Seite 25)

Am Anfang standen Kalenderbilder der pommerschen Landschaft, die der Maler Lyonel Feininger bei seinen Aufenthalten an der Ostseeküste gemalt hat.

Vier dieser Bilder ergeben in Reihenfolge die Orte, durch die wir im März 1945 auf dem Weg von Kolberg nach Dievenow marschiert sind.

Worte ohne Bilder beschreibt die Situation aus der Sicht des Historikers.

Im Laufe der Zeit purzeln im Kopf die historischen Daten und die persönlichen Erlebnisse durcheinander. Der Zeitraffer soll die Chronologie wieder richten.

Also die Fragen beantworten, wann war ich und wo als das passierte, an dessen soundsovielten Jahrestag wir uns heute erinnern.

Die Kriegsereignisse im März 1945 sind der Ausgangspunkt.

„Der Gefechtsbericht“, vermutlich vom Festungskommandanten Oberst Fullriede verfasst, ist der amtliche Kurzbericht in dem der Kampf um Kolberg nachträglich geschrieben  wurde. Der Historiker Erich Murawski hat in seinem Werk „Die Eroberung Pommerns durch die rote Armee in dem Kapitel „Das Opfers Kolbergs“, das Thema auf Grund umfangreicher Recherchen in russischen und polnischen Quellen und durch Befragung von Zeitzeugen, sehr detailliert dargestellt.

Wenn man die umkämpften Straßen und Plätze kennt, ist es fast unvorstellbar wie ein so kleiner Haufen Verteidiger gegen eine so große Übermacht der Angreifer die Stadt bis zum Abtransport des letzten Mannes halten konnte. 

Der Tatsachenbericht „Ostsee- Meer der Hoffnung Meer der Tränen“ von Cajus Bekker, der in einer Illustrierten abgedruckt war und von der Mutter sorgsam verwahrt wurde, stellt auf Grund der Unterlagen der Geleitsicherungs-Offiziere die Evakuierung über See dar. Der Seeweg war die letzte Alternative zur Flucht, wenn der Landweg mit der Bahn nicht mehr möglich war. In den Feldpostbriefen beschreibt der Vater welche Ängste er deswegen ausgestanden hat. Plathe-Kolberg aus dem Buch von Murawski zeigt auf, wie der Bahntransport von Kolberg nach Stettin fast gescheitert wäre.

Die Geschichte Ende März abzubrechen, ließ die Dramatik der Ereignisse nicht zu.

So schien es sinnvoll die persönlichen Erlebnisse der Monate April und Mai, also über das Kriegsende hinaus zu schildern.